#13 Interview: Hähne im Stroh und flache Hierarchien

Unsere Kollegen Cyril Krueger und Florian Bödeker standen vor ein paar Wochen vor demselben Problem – das Homeoffice ist nicht optimal und das Büro sehr weit weg – und haben gemeinsam eine Lösung gefunden. Diese wurde im letzten Jahr der Geschäftsführung präsentiert und umgehend umgesetzt. Einfach, unbürokratisch, erfolgreich. Entstanden ist daraus ein weiterer offener Arbeitsbereich unserer Agentur.

 

Laptop, Notizblock und Smartphone geschnappt – raus geht´s aufs Land. Ich wollte mir einmal anschauen, wie dieser neue Arbeitsbereich aussieht und die beiden Kollegen fragen, wie sie es geschafft haben unsere Geschäftsführung von ihrer Idee zu überzeugen.

Landluft schnuppern

Bürohund Becks und ich fahren raus aus Hannover der „großen Stadt“, über kleine Dörfer und lange Straßen, vorbei an den ersten Weidetieren und Bauernhöfen. Nach 30 Minuten Fahrt holpern wir auf den Parkplatz eines kleinen „Landguts“ und parken neben einem riesigen Trecker. Florian empfängt uns direkt, da unsere Ankunft hier draußen nicht unbemerkt bleibt und gibt uns eine kleine Führung. Hier draußen gibt es nun ein helles Büro mit 4 Arbeitsplätzen, höhenverstellbaren Schreibtischen und einem hofeigenem Hahn der im Heu schläft. Idyllisch.

 

In der kurzen Mittagspause gehen wir zusammen 100 Meter die Dorfstraße hinunter, plaudern und genießen den Blick auf den Deister und jede Menge Felder. Hier grüßt man sich auf dem Feldweg.

Homeoffice – Paradies oder Produktivitätsfalle?

Von vielen ArbeitnehmerInnen wird die Erfolgsstory des Homeoffice durch Corona gefeiert und beklatscht – auch von mir. Ich wohne alleine, habe keine Kinder die mich unterbrechen und gehe mit meinem Hund dreimal täglich in die Eilenriede die direkt vor meiner Tür beginnt. Dort treffe ich mich mit Menschen die ich mag, KollegInnen oder höre unterwegs Podcast und genieße meine Pause. Kurzum – ich kann mich nicht beschweren!

 

Was ich nun in meinen Gesprächen mit KundInnen, DienstleisterInnen und auch ArbeitskollegInnen jedoch immer wieder feststellen muss – manche stellt genau diese neue Arbeitsweise auch vor Herausforderungen. Vereinsamung, zusätzliche Belastung durch räumliche Enge, nicht optimal ausgestattete Arbeitsplätze oder fehlender Rückzug aus dem Familiengeschehen, können auf Dauer belastend sein und die Produktivität einschränken.

 

Meine Kollegin Charley hat zu Produktivität bereits einen sehr aufschlussreichen Blog.Post verfasst, daher will ich hier nicht weiter auf die verschiedenen Lösungsmöglichkeiten eingehen. Cyril und Florian haben eine ganz eigene Lösung gefunden: Die Flucht auf´s Land.

Ein Landbüro muss her!

Vor den Toren Hannover wird den KollegInnen nun die Möglichkeit geboten, dem Homeoffice zu entfliehen und wieder zusammen zu kommen – derzeit mit maximal 2 Personen und auf Abstand natürlich.

 

Im Gespräch mit Cyril versuche ich zu verstehen, wie der Weg zum Landbüro aussah.

Saskia: Cyril, wie seid ihr auf die Idee gekommen, dass ein Co-Working Bereich euch auf dem Land helfen könnte?

Cyril: Aufgrund der aktuellen Lage ist das Agenturleben, so wie wir es kennen und lieben, nahezu gestorben. Die Arbeit findet hauptsächlich im Homeoffice statt. Bei manchen ist die HO-Situation aus verschiedensten Gründen suboptimal. In meinem Fall gibt es momentan keine Möglichkeit dem Familiengeschehen aus dem Weg zu gehen, weil es keine Räumlichkeiten dafür gibt, außerdem lebe ich auf einer Baustelle und habe damit auch nicht die beste und ruhigste Atmosphäre Zuhause.

Dies hatte zur Folge, dass ich regelmäßig vor dem Problem stand, dass ich im Homeoffice nicht produktiv arbeiten kann, das Büro jedoch 30 Minuten Fahrzeit weg ist. Und so entstand die Idee einen näher gelegenen Ort dafür zu schaffen, der dennoch gut ausgestattet ist.

Saskia: Ihr habt somit als Mitarbeiter die Eröffnung eines temporären „Zweitsitzes“ angeregt. Natürlich ganz klein und nicht auf Dauer, aber ich finde das schon ziemlich beeindruckend. Wie verkauft man so ein Vorhaben erfolgreich an seine Geschäftsführung?

Cyril: Dass man bei STR8 mit Ideen und Wünschen jederzeit zur Geschäftsführung gehen kann, wird oft kommuniziert. In dem Fall sind wir einfach aufgeschlagen und haben die Idee inklusive einem kleinen Konzept vorgelegt. Die positive Rückmeldung erfolgte dann kurzfristig. Ich nehme an, dass unsere Argumente überzeugen konnten 🙂

Saskia: Glaubt ihr, dass auch die flachen Hierarchien bei STR8 dazu geführt haben, dass euer Vorschlag angenommen wurde und ihr euch getraut habt diesen vorzubringen?

Cyril: Dies ist ganz sicher der Fall. In einem Großkonzern wäre dieser Weg voraussichtlich holpriger gewesen. Es war von Vorteil unser Anliegen auf kurzem Wege besprechen zu können.

Saskia: Habt ihr noch Wünsche für euer neues Office? 

Cyril: Ein Kaffeevollautomat wäre toll 🙂  

 

Manchmal ist es einfach. Idee gehabt, Argumente notiert, Kurzkonzept zusammengeschustert – ab zur Geschäftsführung. In einer kleinen agilen Agentur können große Veränderungen manchmal mit ganz kleinen Ideen beginnen.

Offenheit und Verständnis

Ich glaube, dass uns die Pandemie auf der einen Seite viel abverlangt, auf der anderen aber auch das ein oder andere lehrt. Auch diese kleine Geschichte lehr mich etwas: Dass gute Ideen gehört werden, dass flache Hierarchien und offene Gesprächskulturen dazu führen Lösungen hervorzubringen und dass wir Menschen gerade Verständnis füreinander aufbringen.

 

Habt ihr ähnliche kleine oder große Success-Stories aus euren Agenturen und Unternehmen? Was ist euer Tipp für Arbeitnehmer, die mit einer Idee zu ihrem Vorgesetzten gehen?

 

Anmerkung: Der Besuch und das Interview fanden im Dezember vor dem derzeitigen Lockdown statt. Das Landbüro verfügt mittlerweile auch über eine Kaffeemaschine. Die Kaffeemaschine und der Hahn sind  zur Zeit sehr einsam.

 

 

 

 

 

Autorin: Saskia Bruder

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